Logistische Herausforderung

Während ich hier endlich wieder einmal einige Zeilen schreibe, bereiten sich meine Teamkollegen für die letzten 16 Kilometer der Baskenladrunfahrt vor. Das Zeitfahren welches über einen Berg führt, findet auch heute bei Regen und ziemlich kalten Bedingungen statt.

Ich habe gestern die Rundfahrt frühzeitig beendet. Dies war allerdings von Anfang an so geplant, denn meine grossen Ziele kommen nächste Woche mit den Ardennen Klassikern. Trotzdem ist es für mich eine ungewohnte und ungemütliche Situation, da es gar nicht zu mir passt ein Rennen aufzugeben. Ein bisschen froh bin ich allerdings schon, dass ich heute im warmen Bus bleiben darf und nicht raus ins kalte Nass muss, um mich über einen weiteren Berg zu quälen. Berge hatte ich hier sowieso genug auf dem Programm in den letzten Tagen. Es ging praktisch immer hoch und runter, und dann gleich wieder hoch.

 

Logistische Herausforderung

Auf jeden Fall war es eine harte Woche hier, da zum harten Parcours auch wirklich unangenehmes Wetter kam. Einige Fahrer wechselten ihre Kleidung alle fünfzehn Minuten. Mal regnete es, dann war die Strasse wieder trocken, die Sonne schien sogar für wenige Minuten und etwas später war eine Abfahrt wieder nass und kalt. Von Tal zu Tal wechselte das Wetter, was echt eine logistische Herausforderung ist im Peloton. Es werden Regenjacken vom Teamfahrzeug geholt, wieder zurückgebracht. Handschuhe werden gebraucht. Beinstulpen werden zurück zum Fahrzeug gebracht und vielleicht muss die Brille mal gesäubert werden, oder die Kette quitscht und kratzt, so dass der Mechaniker ein wenig nachschmieren sollte. So wird es nie langweilig, aber es braucht auch vier, fünf Stunden volle Konzentration. Die Rennsituation ändert sich andauernd und man sucht wieder sein Leader im Feld. Kann man ihm noch etwas gutes Tun? Vielleicht braucht er noch etwas, bevor er dann im Finale mit seinen ärgsten Konkurrenten den Sieg ausmacht und ich mich ins Gruppetto fallen lasse und die Etappe so gemütlich wie möglich noch hinter mich bringe.

Mit Samuel Sanchez haben wir allerdings einen alten Fuchs als Leader, welcher sehr relaxt ist und es nicht unbedingt braucht, dass wir die ganze Zeit um ihn herum schwirren. Er gewann schon eine Etappe und ist nun 5. im Gesamtklassement. Vielleicht schafft er es ja noch aufs Podium. Vom Teambus aus werde ich ihm auf jeden Fall die Daumen drücken!

© Tim de Waele
© Tim de Waele