Was ich in Rio erlebte

"Dabei sein ist alles." erklären mir meine Eltern als ich noch als kleiner Junge vor dem Fernseher sass und Nationen, von denen ich noch nie was gehört habe in ein riesiges Stadion voller Menschen marschieren und dem Publikum und der Kamera zuwinken. "Da sind nur die Besten der Besten dabei. Das ist das Grösste was du als Sportler erreichen kannst." Dass ich einige Jahre danach selbst dabei sein werde, hätte ich damals nie gedacht.

Es ist schon beeindruckend wie viele Nationen im Olympischen Village aufeinander treffen. So viele verschieden Kulturen und Typen von Athleten. Es gibt wirklich alles. Von den über 2 Meter Menschen, bis zu den kleinen. Es gibt die Dicken und die Dünnen, die Rastas und die Kahlköpfe, die Bleichen und die Dunklen. Das alles natürlich männlich und weiblich. Es gibt Pasta, Pizza Reisnudeln oder Kartoffeln, Fleisch und Fisch in allen Variationen. Früchte aus der ganzen Welt aber auch einen McDonald darf nicht fehlen.

Auf dem Weg zum Essen triffst du zuerst Martina Hingis im Aufzug. Dann läuft ein Typ mir Kapuze über dem Kopf an dir vorbei und im letzten Moment erkennst du darunter Usain Bolt und beim Essen sitzt drei Stühle neben dir Rafael Nadal.

 

Für unsere Rennen haben wir uns viel vorgenommen. Vielleicht zu viel. Das Selbstvertrauen im Team fehlte. Schlussendlich erkämpften wir uns einen 7. Rang was uns ein schönes Olympisches Diplom bescherte. Im Moment ist es noch eher eine Enttäuschung, aber mit etwas Abstand zum Rennen können wir sicher mit Stolz auf unsere Leistung zurückschauen und diese seltene und schöne Erfahrung mitnehmen.

Mit dem Finale um Rang 7. in Rio beende ich auch meinen Zeit auf der Bahn. Ich will mich herzlich bei Nationalcoach Daniel Gisiger bedanken für die lehrreichen Jahre, Dan Pöschick für die teilweise qualvollen, aber schlussendlich trotzdem entspannenden Massagen (seine Ellenbogentechnik ist mörderisch). Danke auch an Fritz Brühlmann, die Mechanikerlegende schlechthin, der mich als "Bürogummi" ins Mechanikerbusiness einweihte. Danke auch an all die Fahrerkollegen mit denen ich die Welt bereiste, zusammen im Rennen leidete, Medaillen feierte und andere schöne Momente erleben durfte. Ich werde sie immer in Erinnerung behalten!